Die Mathematik der Kursverluste: Warum das Aufholen der Verluste so schwer ist
Addiert man -20% und +20% ergibt das Null, aber am Ausgangsniveau nach einem Kursfall bin ich damit noch nicht. Warum das so ist und warum es so schwer ist, das wieder aufzuholen steht in dem Beitrag unten.
Die Inhalte dieses Beitrags stellen keine Anlage-, Finanz- oder sonstige Beratung dar. Es handelt sich ausschließlich um persönliche Einschätzungen. Bitte führe deine eigenen Recherchen durch und treffe Entscheidungen selbstständig.
Kursverluste
Wenn eine Aktie um 20% fällt, muss sie um 20% steigen, damit man wieder bei null ist. -20% Kursverlust und +20% Kursgewinn ergibt ja schließlich 0 (-20+20 = 0). Tatsächlich muss eine Aktie aber nach 20% Kursverlust sogar um 25% steigen, damit man wieder bei 0 liegt und zumindest seinen Einsatz wieder raushat.
Bei 50% Kursverlust muss eine Aktie immerhin um 100% steigen, das ist schon eine Verdopplung. Und bei 80% Verlust müsste die Aktie sich schon verfünffachen. Jetzt mal ehrlich, das kann natürlich passieren, aber dass es schnell passiert, ist eher unwahrscheinlich.
„Aber wenn eine Aktie fällt, wird sie ja auch wieder steigen.“ Wirklich? Was ist mit Paypal (-85%), Zoom (-82%), Peloton (-96%), Rivian (-82%), Snap (-93%) oder Alibaba (-60%)?
Hat man Snap im September 2021 am Höchstkurs zu 70 Euro gekauft und bis heute gehalten, hat man einen Verlust von 93% eingefahren. Um zumindest wieder auf 0 zu kommen, muss sich die Aktie mehr als verzehnfachen. Das bedeutet, dass auch der gesamte Börsenwert von Snap von derzeit ca. 10 Milliarden Dollar auf 100 Milliarden Dollar steigen müsste. Ist Snap das wirklich wert? Ein Unternehmen, das keinen Gewinn macht und nur 6 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Macht es Sinn, dass das Unternehmen mit dem 16,6-fachen Umsatz bewertet ist, bei moderaten 11% Umsatzwachstum? Ganz sicher nicht.
Es gibt immer wieder Ausnahmen, die nach einem sehr großen Kursverlust alte Höchststände wieder erreichen. Zum Beispiel Microsoft, die nach 16 Jahren im Jahr 2016 den alten Höchststand von 2000 wieder erreicht haben. Aber die allermeisten tun es nach sehr großen Rücksetzern nicht, oder es dauert ewig.
Eine Aktie, die gefallen ist, muss also nicht wieder steigen, aber wenn sie es tut, muss sie in % deutlich mehr zulegen als sie verloren hat – und das vergessen viele. Und gerade bei großen Verlusten (>70%) stehen die Chancen sehr schlecht. Deswegen ist das Aufholen von Kursverlusten so schwer. Und genau deswegen ist es wichtig eine Aktie fundamental zu analysieren um einzuschätzen ob der Kurs VIEL zu hoch oder VIEL zu niedrig ist. Damit vermeidet man zwar nicht grundsätzlich, dass eine Aktie fällt, aber man minimiert das Risiko eines großen Verlustes, der dann umso schwerer ist wieder aufzuholen.
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