Luxus-Aktien im Korrekturmodus: Lohnt sich jetzt der Einstieg?

von | 21. Apr. 2026 | Allgemein

Die Angst vor noch schlechteren Verkaufszahlen und der Krieg im Iran setzen die Europäischen Luxus Unternehmen unter Druck.

Lohnt sich also jetzt ein Einstieg?

Die Inhalte dieses Beitrags stellen keine Anlage-, Finanz- oder sonstige Beratung dar. Es handelt sich ausschließlich um persönliche Einschätzungen. Bitte führe deine eigenen Recherchen durch und treffe Entscheidungen selbstständig.

Kurzfassung

  • HP, General Mills und T.Rowe haben derzeit eine hohe Dividendenrendite, stabile Dividende und Auszhalung (vermutlich) sicher
  • Jedes dieser Unternehmen weist aber auch Punkte auf, die gegen ein Investment sprechen
  • Ich kaufe keine der drei dargestellten Aktien

Ausgangssituation

Luxusaktien sind in diesem Jahr schon stark gefallen: Hermes -20%, Kering -19% und LVMH -23%. Alle drei haben im April Quartalszahlen vorgestellt, die schlechter waren als erwartet und damit den Aktienkurs noch mehr belastet. Aber auch Prada -15%, Burberry -6% und Christian Dior -22% sind dieses Jahr im Minus. Die einzige Ausnahme bildet Moncler, die mit +6% leicht im Plus sind.

Kleidungsunternehmen haben selten einen Burggraben oder einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil, deshalb investiere ich normalerweise nicht in diese Branchen. Ja, Nike war einer meiner Fehlgriffe so wie vermutlich auch Lululemon einer wird. Aber zurück zum Luxus: Luxusunternehmen haben normalerweise einen solchen dauerhaften Wettbewerbsvorteil, wenn sie ihn nicht selbst zerstören (Gucci). Das liegt zum einen in der begehrenswerten Marke da diese i.d.R. durch Exklusivität in der Anzahl beschränkt wird und man sich durch den Besitz und das Tragen einem elitären Club zugehörig fühlt. Gleichzeitig ist der Preis so hoch, dass die Margen für diese Unternehmen enorm gut sind. Luxusunternehmen sind normalerweise auch „Recession-Proof“, also verzeichnen keinen Rückgang in einer Rezession, da die Reichen auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten noch genug Geld haben.

Was ist jetzt also das Problem, dass es fast alle Luxusunternehmen erwischt hat?

Zum einen der Krieg im Iran, Hermes sagt dazu: „Das Großhandelsgeschäft wurde durch geringere Umsätze bei Konzessionsgeschäften, insbesondere im Nahen Osten und an Flughäfen, erheblich beeinträchtigt“ und der Gucci Besitzer Kering sagte sogar, dass in Q1 der Umsatz im Nahen Osten um 11% gesunken sei, nachdem dieser im Januar und Februar noch gewachsen ist. Bei LVMH hatte der Krieg einen Einfluss von -1% auf die Umsätze im ersten Quartal. Allerdings ist der Gesamtumsatz in dieser Region für alle Unternehmen klein mit ca. 5-8% der Umsätze.

Demnach ist die schwache Performance nicht alleine durch den Krieg zu erklären, auch wenn die Unternehmen das gerne versuchen würden. Ein Teil des Problems ist noch etwas weiter östlicher zu suchen, nämlich in China. China war bisher immer ein wichtiger Wachstumsmotor für die Branche, da das Land aber selbst in leichten Wachstumsschwierigkeiten steckt und Chinesen inzwischen auch viel auf einheimische Marken setzen macht sich das natürlich negativ bemerkbar. Und als drittes Problem sehe ich auch die Normalisierung nach dem Corona-Hype. In 2021-2023 haben eigentlich alle Luxus Unternehmen extrem stark profitiert, Gucci von Kering und zum Teil auch Louis Vuitton von LVMH haben versucht immer mehr zu verkaufen. Aber ist es wirklich noch richtiger Luxus, wenn es jeder tragen kann der will? Zum einen hat sich die Nachfrage inzwischen wieder normalisiert (Wachstumsraten sinken also) und gerade Gucci wird nicht mehr als Luxus-Marke wahrgenommen und verliert massiv an Umsatz, nämlich 50% Umsatzverlust in 3 Jahren – das ist verdammt viel.

Hermes

  • Bekannt für Birkin oder Kelly Bag
  • Oft nur über Wartelisten und treue Kundenbeziehungen erhältlich
  • Preis für eine Bag startet ab ca. 10.000€
  • In der Schweiz wurden Hermes-Ski für 100.000€ verkauft
  • Umsatz bei 16 Milliarden € und +7% in Q1 2026
  • 28% Nettomarge und 25% Eigenkapitalrendite (beides richtig richtig stark)
  • KGV von 39 und KGVe von 37 – damit ca. 20% unter historischem KGV
  • PEG Ratio: 4,1

 Das wahrscheinlich beste Luxusunternehmen, da es noch richtig für Luxus steht: Hohe Preise und Exklusivität. Vom ATH im Februar 2028 sogar bereits um 40% gefallen. Das KGV ist mit fast 40 derzeit aber trotzdem sehr hoch und für mich nicht für ein Kauf geeignet.

LVMH

  • Das größte Luxus-Haus der Welt mit Marken wie Louis-Vuitton für Mode, Moet & Chandon für Weine/Champagner, Tiffany oder TAG Heuer für Schmuck
  • Handtasche von LV kostet ca. 1.500€ – 2.000€
  • Umsatz bei 80 Milliarden € und +1% in Q1 2026
  • 13% Nettomarge und 16% Eigenkapitalrendite (beides ok, aber nicht so extrem stark)
  • KGV von 22 und KGVe von 21 – damit ca. 15% unter historischem KGV
  • PEG Ratio: 1,94

 Das am breitesten aufgestellte Luxusunternehmen, große Überraschungen sind hier nicht zu erwarten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es über Jahre hinweg leichte einstellige Umsatzwachstum liefern kann. Allerdings ist meine persönliche Meinung, dass auch Louis Vuitton keine „richtige“ Luxusmarke ist. Einfach mal an einem Samstag an einem LV laden vorbeilaufen, die Leute stehen Schlange davor. Ist das Luxus erstmal 20 Minuten draußen im Regen warten müssen?

Kering

  • Marken wie Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta, Belenciaga
  • Gucci ist die erfolgreichste Marke, verlor jedoch 50% Umsatz in 3 Jahren (und fällt weiter)
  • Handtaschen beginnen bei ca. 2.000€ (gibt es aber auch billiger)
  • Umsatz bei 14 Milliarden € und +0% (wobei Gucci -8%)
  • Aktuell fast kein Gewinn

 Bei den anderen Marken läuft es so weit ganz gut, nur mit Gucci hat das Unternehmen in 2021-2023 alles verspielt und den Luxusstatus aufgegeben. Seit Jahren verfehlt Gucci die Erwartungen. Der neue Designer ist wohl gut und die Produkte kommen gut an, aber dennoch ist die Marke beschädigt. Und für mich ist Gucci auch eher die „Assi-Luxusmarke“ und keine die ich selbst gerne tragen würde. Seit letztem Jahr gibt es auch einen CEO, der das ganze wieder rum reißen soll. Immerhin ist die Aktie vom ATH Anfang 2022 um bereits 70% gefallen.

Moncler

  • High-End-Outdoorbekleidung, Accessoires und Schuhe
  • Eine Daunenjacke beginnt bei ca. 1.300€
  • Umsatz von 3,1 Milliarden € (+7% in Q4 2025)
  • 20% Nettomarge und 16% Eigenkapitalrendite (sehr gute Werte)
  • KGV und KGVe bei 24
  • PEG Ratio bei 3,6

Nettomarge und EK Rendite ist sehr gut, das KGV zeigt auch, dass Moncler nicht zu teuer ist. Der Kurs hat dieses Jahr schon ordentlich zugelegt, befindet sich aber immer noch auf Niveau von 2020.

Prada

  • Zu Prada gehören neben Prada auch die Marken Miu Miu und das Luxusmodehaus Versace
  • Bekannt für hochwertige Mode und Accessoires
  • Einsteiger Taschen kosten ca. 1.000€, die beliebteren starten bei ca. 2.500€
  • Umsatz bei ca. 5,7 Milliarden € und +8% in 2025 (Q1 2026 liegt noch nicht vor)
  • 15% Nettomarge und 19% Eigenkapitalrendite (beides gute Werte)
  • KGV und KGVe von 12 und damit deutlich unter dem historischen KGV von 28
  • PEG Ratio von 1,7

 Die Bewertung von Prada ist überraschend gering. Nur ein 12er KGV bei stabilen Margen und weiterhin gutem Wachstum (+9%). Allerdings ist der größte Markt Asia Pacific und damit vermutlich China. Am 30. April 2026 werden hier die Q1 Zahlen veröffentlicht, diese werde ich mir anschauen und falls das Wachstum hier weiterhin stark ist, kann man sich auch überlegen zu kaufen. Immerhin ist die Aktie um 50% vom ATH in 2025 gefallen. Natürlich würde ich das Unternehmen vorher nochmal ausführlich analysieren.

Ermenegildo Zegna

  • Luxus Herrenmode mit der Marke Zegna
  • Thom Browne und Tom Ford Fashion gehören ebenfalls dazu
  • Ein Anzug von Zegna beginnt bei ca. 2.000€
  • Umsatz bei ca. 1,9 Milliarden € und +1% in 2025 (Q1 2026 liegt noch nicht vor)
  • 6% Nettomarge und 10% Eigenkapitalrendite (ich würde mehr von einem Luxusunternehmen erwarten)
  • KGV bei 26 und damit beim historischen KGV
  • Der Aktienkurs ist in diesem Jahr bereits um 20% gestiegen

 Die schlechte Marge und geringe EK Rendite schreien nicht unbedingt nach einem Investment. Und wenn dann selbst der Umsatz noch kaum wächst, das KGV aber bei 26 steht, ist das derzeit kein Investment für mich.

Brunello Cucinelli

  • Exklusive Kaschmirbekleidung, hochwertige Damen-, Herren- und Kinderkollektionen
  • Ein Anzug von Brunello Cucinelli beginnt bei ca. 3.600€
  • Umsatz bei ca. 1,4 Milliarden € (+14% in Q1 2026)
  • 10% Nettomarge und 26% Eigenkapitalrendite (sieht gut aus)
  • KGV bei 43 und KGVe von 38

 Die Aktie ist in diesem Jahr zwar bereits um 12% gefallen, die Bewertung ist mit über 40 aber eindeutig zu hoch für einen Einstieg, vor allem da die Nettomarge bei „nur“ 10% liegt.

Ferrari

  • Bekannte Luxus-Sportwagen
  • Oft nur über Wartelisten und treue Kundenbeziehungen erhältlich
  • Beim Ferrari F80 (799 Exemplare) gingen alle Fahrzeuge an ausgewählte Bestandskunden
  • Ø Preis liegt bei > 300.000€
  • Umsatz bei 7,1 Milliarden € (+4% in 2025)
  • 22% Nettomarge und 43% Eigenkapitalrendite (hervorragend)
  • KGV bei 35 und KGVe bei 32 und damit im Durchschnitt
  • Der Aktienkurs ist in diesem Jahr bei Plus-Minus-Null

Ferrari versteht es besser als alle anderen Marken, was Luxus bedeutet. Die meisten neuen Ferraris in 2025 gingen an Bestandskunden. Man muss sich auch erstmal als „würdig“ erweisen, bevor man bestimmt Sondermodelle kaufen darf. Ferrari hat in 2025 auch nur 13.640 Fahrzeuge produziert und trotzdem wahninnig gute Margen und Renditen erwirtschaftet. Die Aktie ist von ATH im Februar 2025 bereits um 35% gefallen, aber noch nicht super günstg.

Wenn ich ein Luxusunternehmen kaufen würde, wäre es Ferrari. Vorausgesetzt es wird noch etwas günstiger. Kleine Randnotiz: Das Ticker Symbol von Ferrari ist RACE. Wie cool ist das denn?!

Fazit

Wie sieht das Fazit also jetzt aus? Für mich sind Hermes und Ferrari wirklich richtig gute Luxusunternehmen und sobald der Preis fair und leicht günstig ist, würde ich hier kaufen. Was bedeutet aber fair und leicht günstig? Zumindest ist es kein 30er KGV. 

Prada sieht derzeit deutlich günstiger aus als die anderen gezeigten Unternehmen und sollte definitiv mal auf der Watchlist bleiben. Mit einem 12er KGV (ø von 28) ist es deutlich günstiger als die anderen. Wenn der Ausblick und die Zahlen am 30. April gut sind, sollte man sich das genauer anschauen. 

Kering ist für mich eine Turnaround Wette, LVMH ein stabiler langfristiger Play mit dem man vermutlich wenig Überraschungen erlebt. 

Was werde ich also tun? Erstmal kaufe ich keine der Aktien und warte weiterhin an der Seitenlinie auf schöne Kurse von Ferrari und Hermes.

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