Microsoft Aktienanalyse 2026: Was bringt das neue Umsatzmodell wirklich?
Microsoft hatte in Q1 2026 die schlechteste Performance seit 2008 hingelegt und ist dieses Jahr bereits 11% gefallen und sind zudem um 20% seit dem ath im Oktober 2025 gesunken.
Das kuriose dabei: Die Wachstumsraten beschleunigen sich: +17% im Umsatz, +22% beim EPS und Azure (die zweitgrößte Cloud Platform) wächst um starke 40% und damit stärker als erwartet. Alleine das reicht schon aus um Microsoft deutlich günstiger (bezogen auf Umsatz und Gewinn) darzustellen als sie es bisher waren.
Die Inhalte dieses Blogs stellen keine Anlage-, Finanz- oder sonstige Beratung dar. Es handelt sich ausschließlich um persönliche Einschätzungen. Bitte führe deine eigene Recherche durch und treffe Entscheidungen selbstständig.
Foto: Microsoft wächst enorm stark, hat keine Nettoschulden und hat noch enormes Potenzial vor sich.
Elevator Pitch
Windows, LinkedIn, M365, Dynamics, GitHub, xBox, Bing, Azure: Microsoft ist eines der breitest aufgestellten Unternehmen überhaupt und erzielt dennoch enormen Wachstum: Umsatz in Q3 2026 bei +17% und EPS sogar +22%. Und das selbst mit leicht rückläufigen Zahlen bei Hardwareverkäufen.
Aktienkurs am 26.05.2026: 420$ (360 €)
Aktienkurs 2036 bei ø 15% EPS Wachstum: 1.900 $
Heutiger Fairer Wert nach DCF: 470$
MOS Preis nach DCF: 235$
Gemessen am historischen KGV, KBV, KUV ist Microsoft derzeit sogar etwas günstiger als üblich (trotz beschleunigendem Wachstum). Gründe sind die enormen KI Ausgaben und die allgemeine Angst im Softwaremarkt.
Ich habe Microsoft Aktien gekauft.
Warum fällt die Microsoft Aktie?
Meiner Meinung nach, gibt es 2 Hauptgründe:
- KI Produkte anderer Hersteller (z.B. Claude, Gemini, Meta AI) könnten M365 schwächen und ablösen
- Azure Wachstum könnte sich durch die neue OpenAI Struktur verlangsamen
Angst 1: KI löst Software ab
Microsoft erzielt einen Großteil seines Umsatzes durch den Vertrieb und die Lizenzierung von Software. Wie bei vielen anderen Softwareunternehmen (siehe z. B. Adobe) sind die Aktien zuletzt stark gefallen. Die Sorge: Was passiert, wenn KI das übernimmt? Immerhin wird allein Microsoft M365 von 450 Millionen Menschen fast täglich genutzt und erzielt ca. $80-$90 Milliarden an Umsatz, das sind immerhin ca. 33% des gesamten Microsofts Umsatzes und ca. 40% des operativen Gewinns.
Aber wie ist es in Realität? Ein echter Wechsel ist jedoch fast unmöglich, da die Tools als Ökosystem tief in die Arbeitsabläufe der Unternehmen integriert sind und durch den Microsoft Copilot könnten sie sogar noch intensiver genutzt werden. Sicher kann man einzelne Tools durch KI ersetzen, und das wird auch passieren. Aber an das gesamte Microsoft-Ökosystem wagt man sich als Letztes heran. Zudem ist das M365-Bundle mit rund 20 Dollar pro Nutzer fast schon zu günstig, als dass eine KI das aktuell ersetzen könnte.
Zusammengefasst: Microsofts Enterprise-Position ist stabiler, als der Markt aktuell denkt.
Angst 2: Neue OpenAI Struktur
Was der Markt negativ aufnimmt, ich aber eher positiv sehe: Die Partnerschaft mit OpenAI wird angepasst und OpenAI kann seine Modelle nun auch über andere Cloud-Anbieter bereitstellen. Dass Microsoft hier seine Exklusivität verliert, könnte man im ersten Moment natürlich negativ deuten.
Aber Microsoft bekommt im Gegenzug ein echtes Goodie: Die Einnahmen, die über Azure generiert werden, müssen nicht mehr wie bisher mit OpenAI geteilt werden. Das verbessert immerhin die Gewinnspanne. Zudem hat sich Microsoft bis 2032 lizenzfreien Zugang zum geistigen Eigentum von OpenAI gesichert und erhält weiterhin einen Umsatzanteil von OpenAI (vermutlich ca. 20 %). Bei den aktuellen Prognosen für 2026 könnten das fast 6 Milliarden Dollar sein.
Zusammengefasst: Microsoft behält die kostenfreien Lizenzrechte, erhält einen Umsatzanteil von OpenAI und zahlt selbst keinen Umsatzanteil mehr.
Pro Investition
Im letzten Earnings-Call (für das Fiskalquartal Q3 2026 bzw. Kalenderjahr Q1 2026) hat Microsoft still und heimlich eine wichtige Umstellung des Umsatzmodells angekündigt: Jedes Pro-User-Geschäft wird künftig auf ein kombiniertes Pro-User- und Nutzungsmodell umgestellt.
Das bedeutet: Bisher verdiente Microsoft starr an der Anzahl der gemieteten Lizenzen, was den Umsatz pro Kunde durch die Mitarbeiterzahl deckelt. Beim neuen Modell verdient Microsoft an der Lizenz plus der tatsächlichen Nutzung. Der Umsatz pro Kunde steigt also automatisch, je intensiver die Software genutzt wird, ohne dass neue Lizenzen verkauft werden müssen.
Ermöglicht wird das durch den Einsatz von u.a. Microsoft Copilot. Dieser ist bereits in fast alle Produkte wie Teams, Office, GitHub oder Dynamics integriert (oder wird es gerade). Und da all diese Anwendungen extrem tief in den Unternehmensprozessen verankert sind, ist ein Wechsel der Software für die Kunden so gut wie unmöglich.
Dazu folgende Zahlen:
- Fast 60% der Dynamics 365-Servicekunden erwerben bereits nutzungsbasierte Lizenzen zusätzlich zu ihren klassischen Lizenzen
- Microsoft Copilot wuchs auf 20 Millionen Nutzer (von 15 Millionen Ende 2025), also +33% in einem Quartal
- Die wöchentliche Nutzung von Copilot steht noch ganz am Anfang und ist jetzt schon auf dem gleichen Niveau wie Outlook
- Umsatz in M365 wuchs um 15% in Q3 2026 und sollte (wenn das neue Umsatzmodell kickt) sogar noch stärker wachsen
Und dann ist da natürlich noch die 27% Beteiligung an OpenAI, die (beim Börsengang wissen wir es genauer) $200 Milliarden wert ist. Und wie oben schon beschrieben, ist da ja noch die Thematik bzgl. Exklusivität und verbesserten Konditionen, die für sehr ansprechend halte:
- Microsoft muss Azure-Umsätze nicht mehr mit OpenAI teilen → höhere KI-Margen
- Microsoft behält lizenzfreien Zugang zu OpenAI-Technologie bis 2032
- OpenAI zahlt Microsoft weiterhin einen Umsatzanteil (vermutlich ~20 %) bis 2030
Nachfolgend noch einige weitere Punkte, die für ein Investment sprechen:
- Seit Jahrzehnten verlagern Unternehmen ihreIT-Prozesse in die Cloud. Dieser Trend wird jetzt durch den boomenden Bedarf an KI-Rechenleistung (vor allem für die Ausführung von KI-Modellen) extrem beschleunigt.
- Azure (Cloud Plattform) wächst mit +39% und ist mit über $75 Milliarden Umsatz die zweitgrößte Cloud Plattform der Welt (und könnte noch stärker wachsen)
- Backlog von über $600 Milliarden für die Azure Cloud (allerdings $200 Milliarden von OpenAI)
- GitHub (das beste Tool für Codes) wird von 140.000 Unternehmen genutzt und GitHub Copilot kommt extrem gut bei Entwicklern an
- M365 hat 450 Millionen tägliche Nutzer
- Dynamics (CRM und ERM Tool) wächst mit 17%
- Extrem Breite Diversifikation: LinkedIn mit über 1,5 Milliarden Nutzern (+9% Umsatz), Suchmaschine Bing (+9% Umastz), Xbox, Activision Blizzard, Windows Lizenzen und ein paar Windows Tablets (alle leicht Rückläufig)
- 39% Nettogewinnmarge, 46% Operative Marge (und langfristig beides steigend)
- 33% ROE und 33% ROIC (leicht fallend aufgrund deutlich stärker steigendem Eigenkapital), also sehe ich das nicht negativ
- Derzeit noch mehr Cash als Schulden ($47 Milliarden Nettocash) wird aber durch riesige KI Ausgaben aufgezehrt
- Sehr gutes Management mit Satya Nadella
Contra Investition
Das größte Risiko sehe ich bei den enormen KI-Ausgaben. Was passiert, wenn Hunderte Milliarden investiert werden, aber die Nachfrage am Ende schwächer ausfällt als gedacht? Auch die künftigen Maintenance CAPEX – also die reinen Instandhaltungskosten, wenn all die Rechenzentren erst einmal laufen – lassen sich für die nächsten Jahre kaum verlässliche einschätzen.
Klar ist: Microsoft pumpt nicht nur massig eigenes Geld in Wachstum (CAPEX), sondern nutzt auch extrem viele Financial Leasing Liabilities. Aktuell belaufen sich diese Verbindlichkeiten bereits auf 60 Milliarden Dollar, und weitere 50 Milliarden Dollar kommen in den nächsten Jahren hinzu.
Microsoft nutzt dieses Leasing quasi wie einen Ratenkauf für KI-Infrastruktur.
- Der Vorteil:Mehr kurzfristige Liquidität.
- Der Haken:Man zahlt länger ab und es fallen zusätzliche Zinsen (zwischen 4 und 6 %) an.
Da diese Leasingverträge jedoch über 20 Jahre laufen, verteilt sich die jährliche Last: Es müssen pro Jahr nur rund 6 Milliarden Dollar (zzgl. Zinsen) bedient werden, was den Free Cashflow zwar kontinuierlich, aber immerhin kontrolliert schmälert.
Interessanter Branchenvergleich: Alphabet und Meta haben aktuell noch fast keine aktiven Leasing-Verbindlichkeiten in den Büchern, haben aber für die nächsten Jahre bereits Verträge im Wert von 50 Milliarden Dollar unterzeichnet.
- $190 Milliarden Cloud Ausgaben stehen für nächstes Jahr im Raum. Das ist eine absurd hohe Zahl und wird damit zu negativem Free Cashflow führen
- Diese hohen investierten Summen müssen erst wieder verdient werden, und ob sich die Investitionen wirklich auszahlen wird sich erst später zeigen
- Microsoft hat bereits (im Gegensatz zu Meta oder Alphabet) extrem hohe Financial Leases für KI Investments abgeschlossen. Das kostet über die nächsten 20 Jahre zusammen ca. $110 Milliarden zusätzlich, das sind (derzeit) $60 Milliarden mehr als bei Meta oder Alphabet. Damit geht Microsoft nochmal ein deutlich größeres Risiko
- Wenn sich das Cloud Wachstum (wenn auch nur kurzfristig) deutlich verlangsamt, wir die Aktie signifikant fallen
- Google ist durch seine eigenen KI-Chips und sehr gute Cloud Wachstum (+60%) extrem gut Positioniert Microsoft Konkurrenz zu machen, bessere KI Hardware und vor allem günstiger anzubieten und damit Kunden abzuwerben
- Wenn Office Produkte (Word, Powerpoint) doch obsolete werden und meine Einschätzung nicht stimmt, wird das Microsoft extrem weh tun (andererseits sind die meisten Unternehmen auch nicht zu Google gewechselt)
- OpenAI Beteiligung: Könnte deutlich weniger Wert sein als aktuell, wenn sich die absurden Wachstumsvorstellungen nicht erfüllten sollten und würde dann auch zu weniger Umsatzbeteiligung führen.
- $200 Milliarden Backlog von OpenAI ist ein Klumpenrisiko
Bewertung
Tabelle: Bewertung anhand DCF und Multiple Vergleich zum Historischen Mittel.
DCF nach Phil Town
- Aktuelles EPS Wachstum ist bei 22%, das kann nicht über 10 Jahre gehalten werden. Ich gehe daher von ø15% aus, was immernoch sehr hoch ist.
- Bezogen auf das KGV ist Microsoft günstiger bewertet als in den letzten 7 Jahren (als die enorme Umsatzsteigerung begonnen hat).
- Das EPS Wachstum, die Nettomarge und das EK Wachstum sind höher als in der Vergangenheit.
- MMN ist ein 28er KGV für Microsoft gerechtfertigt. Aber auch 30 oder 32 wären bei 15% Wachstum noch möglich.
- Daher liegt der Faire Preis heute bei ca. $470. Der aktuelle Kurs liegt ca. 12% darunter. der MOS Preis wird nicht erreicht, aber wird er das jemals bei Microsoft?
DCF nach Monish Pabrai
- Der Unterschied ist: Ich schätze den Free Cashflow statt das EPS. Da die CAPEX Ausgaben aber derzeit so enorm hoch sind, ist der FCF entsprechend gering.
- Man könnte an der Stelle nun lediglich den Maintanance CAPEX heranziehen und den Grwoth CAPEX nicht berücksichtigen, dann läge der Faire Preis deutlich höher und bei über $500.
- Der FCF für die Jahre 2028 – 2026 sind geschätzt. Es kann durchaus sein, dass die Werte zu gering sind. Ich habe dafür Analysten Schätzungen genommen und habe diese nochmal nach unten korrigiert.
Multiple Betrachtung
- Ich Vergleiche KGV, KUV und EPS Wachstum mit den Vergangenen 7 Jahren um eine Einschätzung der aktuellen Bewertung zu bekommen.
- Wachstum ist Höher, aber die Bewertung attraktiver.
Fazit und meine Position
Microsoft ist nicht wirklich günstig, Microsoft war es aber auch nie. Der aktuelle Kursrückgang hat sich ja auch zum Teil schon wieder erhohlt und trotzdem ist die Bewertung bzgl. historischem KGV, KBV, KUV so gering wie nie/selten.
Die Zukunftsaussichten sind extrem gut: $600 Milliarden an Cloud Backlog (selbst ohne OpenAI von $400 Milliarden). Das wird einiges an Wachstum geben. Außerdem läuft Copilot richtig stark an und das umgestellte Umsatzmodell wird aller Voraussicht nach das Wachstum nochmal beschleunigen.
Nach dieser Analyse habe ich Microsoft Aktien gekauft.
Quellenverzeichnis
Hier folgt eine Auflistung aller Quellen, die ich für die erstellte Analyse und Bewertung genutzt habe.
| Quellen | Beschreibung |
| Microsoft | Annual Report 2025 |
| Microsoft | Press Release Q3 2026 |
| Microsoft | Präsentation Q3 2026 |
| Bill Ackmann | Bill Ackmann MSFT Case |
| Macrotrends | MSFT Finanzinformationen, KGV Entwicklung, Kurs/Umsatz Entwicklung, Kurs/FCF, etc. |
| Alphabet | 10-K 2025 (Annual Report) |
| Meta Platforms | 10-K 2025 (Annual Report) |





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